Titel 01. When we were young (Waters) - 1:38 min 02. Déjà Vu  (Waters) - 4:27 min 03. The Last Refugee (Waters) - 4:12 min 04. Picture that (Waters) - 6:47 min 05. Broken Bones (Waters) - 4:57 min 06. Is this the Life we Really Want? (Waters) - 5:55 min 07. Bird in a Gale (Waters) - 5:31 min 08. The Most Beautiful Girl in the World (Waters) 6:09 min 09. Smell the Roses (Waters) - 5:15 min 10. Wait for Her (Waters - Mahmoud Darwish) - 4:56 min 11. Oceans Apart (Waters) - 1:07 min 12. A Part of Me Died (Waters) - 3:12 min

Ist das das Leben, das wir wirklich wollen? Die Frage ist ernst, wie alles bei Roger Waters. Und sie ist

rhetorisch. Wie sollte das Leben auch so gewollt sein, in Zeiten von Krieg und Terror, Konsum und Idiotie,

Fanatismus und Fake News. „Is This The Life We Really Want?“ Nein, könnte die Antwort schlicht lauten.

Waters, eher ein Mann der großen Geste, formuliert seinen zivilisationskritischen Befund in Gestalt seines

ersten Soloalbums seit fast 25 Jahren. Alles, was sich bei ihm angestaut hat, muss raus. Seine Wut, seine

Trauer, sein Zorn, seine Melancholie.

Seit er vor fünfzehn Jahren mit dieser Arbeit begonnen hat, war es nie richtig vorwärtsgegangen. Er hat

Songs geschrieben, Songs verworfen, Konzepte entwickelt, Konzepte verworfen.

is this the life we really want?                                                       ROGER WATERS - The Last Refugee
Roger Waters - Gesang, Akkustische Gitarre, Bass Nigel Godrich - Keyboards, Gitarre, Soundcollage, Arrangement Gus Seyffert - Gitarre, Keyboards, Bass Jonathan Wilson - Gitarre, Keyboards Roger Manning - Keyboards Lee Pardini - Keyboards Joey Waronker - Schlagzeug Jess Wolfe - Holly Laessig - Gesang David Campbell - Nigel Godrich  - Streicher Arrangement Produktion Nigel Godrich Studio Untited Recording, Five Star Recording, Electric Lady Studios, Wack Formula Studios 2010 - 2017 Veröffentlicht: 02.06.2017
MEINE SAMMLUNG
is this the life we really want? is this the life we really want?
is this the life we really want?

Plötzlich löste sich der Knoten. Der Auslöser war Donald Trump. Hass ist einen guter Antrieb für das Kunstschaffen. Roger Waters hasst Donald Trump.

In einem Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung hat er sich gerade sehr deutlich über ihn geäußert. „Ein fürchterlicher Mensch. Ich fürchte nur, dass er uns nicht

alle tötet – also weder versehentlich noch mit Absicht.“ In dem Song Picture That vom neuen Album klingt das dann so: „Picture a Courthouse with no fucking

laws, picture a whorehouse with no fucking whores, picture a shit house with no fucking drains, picture a Leader with no fucking brains.“ Stell dir ein Scheißhaus

ohne Abfluss vor, stellt dir einen Präsidenten ohne Verstand vor.

Das sind Zeilen, die man mögen muss. Roger Waters ist 73 Jahre alt, andere seiner Generation nehmen Coveralben auf und kuscheln sich in Nostalgie, er macht das,

was man einmal Protest nannte. Im Titelsong liefert Waters, der alte Kommunist der Herzen, das Manifest einer faulenden und verrohenden Gesellschaft.

„Die Gans ist fett geworden, vom Kaviar in schicken Bars, von subprime loans and broken homes. Wie er es sieht, hat die Finanzkrise dazu geführt, dass die Menschen

von ihrer Angst in Schach gehalten werden, Angst vor dem Absturz, Angst vor dem Fremden, Angst vor der Angst. In Déjà Vu spielt Roger Waters mit dem Gedanken,

Gott zu sein. „Wenn ich Gott wäre, hätte ich einen besseren Job gemacht.“ Er hätte nicht Drohnen auf Unschuldige feuern lassen, hätte nicht die Natur geschändet und

natürlich auch nicht die Büffel gekillt.

Die Generalkritik von Waters wirkt in ihrer Rigorosität mitunter rührend. Aber manch eine Wahrheit ist eben so einfach, wie sie klingen mag. Als Sohn eines Soldaten,

der im Zweiten Weltkrieg fiel und Enkel eines Großvaters, der im Ersten Weltkrieg starb, darf man ihm seinen Friedenstraum ruhig abnehmen. „Aber wir wählten den

American Dream“, singt er in dem Klagelied Broken Bones.

Und es ist alles hier, von den exzessiven Field Recordings (hechelnde Hunde, pumpende Herzen, tickende Uhren, schreiende Möwen, Stimmen aus dem

Fernseher, auch die von Donald Trump) über hypnotische Bassläufe und weibliche Chöre bis hin zu gleißenden Keyboardflächen.

Allein die E-Gitarre ist weitgehend verbannt, ersetzt durch ein filmisch auftretendes Orchester aus Streichern und Bläsern.

Spürbar die ordnende Hand von Produzent Nigel Godrich (Radiohead), spürbar auch der Ingrimm, mit dem Waters heiser den Zustand der Welt beklagt. Düster und

versöhnlich zugleich.

Pink Floyd, wie sie 2017 klingen sollten.

Live - 2017 Studio
MY PINK FLOYD COLLECTION
PINK FLOYD - A SAUCERFUL OF SECRETS
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